Umwelt

Mythos Nachhaltigkeit

Die Fakten

Foto eines Stück Lands in Khanom, dass wir in Südthailand betreuen.

Schlüsselwörter der Nachhaltigkeit

Intensität und Dauer sind die wichtigsten Größen zur Bestimmung von Nachhaltigkeit.

Merkwürdigerweise wird davon wenig in den Werbungen der grünen Unternehmen erzählt. Nach dem Besuch so mancher Webseite entsteht der Eindruck, dass es tatsächlich so etwas wie eine ideale Landwirtschaft gibt.

Unumstößlicher Fakt ist jedoch, dass jeder Eingriff in die Natur das natürliche Gleichgewicht verschiebt. Egal wie Nachhaltig er auch gestaltet sein mag. Weder Permakultur noch das einfachste Gemüsebeet im Garten kommen an dieser Tatsache vorbei.

Wenn wir verstehen, dass jeder Eingriff in die Natur auch negative Seiten hat, bekommen wir ein besseres Gefühl für die Auswirkungen unseres Umgangs mit ihr.

Foto von Arbeiten auf dem Land in Khanom

Viele Menschen leben immer noch mit der Vorstellung, dass es die eine ideale Lebensweise zusammen mit der Natur gäbe. Doch in unserer Welt läuft es nunmal anders: Alles hat positive und negative Seiten. Selbst die wenigen Jäger und Sammler der Urzeiten hatten einen dramatischen Einfluss auf das natürliche Gleichgewicht: Es konnte schlüssig gezeigt werden, dass viele der damals lebenden Großsäugetiere wegen der neu auftretenden, rasch expandierenden Menschheit nicht überleben konnten, selbst wenn sie nicht direkt bejagt wurden.

Bei unserer heutigen Bevölkerungsdichte geht es nicht mehr darum, ob wir das Gleichgewicht verschieben, sondern welche Auswirkungen wir genau haben und wie wie wir die Effekte so steuern können, dass die Natur sich austarieren kann. Dazu braucht sie vor allem Zeit, Raum und sich möglichst langsam verändernde Kreisläufe.

Stabilität

Biologische und geographische Vielfalt verträgt Störungen besser
Foto der Pflanzenvielfalt in Maes Garten in Koh Hua Chang

Unser Zeitalter ist geprägt von Ereignissen, die unregelmäßig und intensiver als gewöhnlich sind. Dazu gehören Klimaschwankungen mit Hitzewellen, Starkregen oder Dürreperioden aber auch Schädlinge oder Krankheiten.

Tritt ein Störereignis auf, ist es bei hoher Anzahl verschiedener Arten einer Gegend wahrscheinlicher, dass gegenüber dem Ereignis weniger empfindliche Arten die Funktion einer empfindlich getroffenen Art übernehmen können. Auch ist es leichter möglich, dass Arten vorhanden sind, die einen Schädling an seiner Verbreitung hindern.

Auch Abwechslung im Terrain schafft mehrere verschiedene Standorte mit verschiedenen Bedingungen. So findet sich für eine gefährdete Art eher noch ein Standort, der ihm hilft eine Stresssituation zu verkraften.

Den Kurs kennen

Landnutzung ist ein Eingriff in die Lebensgemeinschaft. Deren Zustand muss regelmäßig kontrolliert werden.

Jeder Quadratmeter Land enthält unzählbar viele Lebewesen. Wie also eine Kontrolle über Zustand und Vielfalt der Arten durchführen? Vor allem wenn manche Lebewesen stark beweglich sind und eine Mehrfachzählung möglich ist?

Hier betreten wir schon das Terrain der wissenschaftlichen Praxis. Unzählige Veröffentlichungen und Beispiele gibt es zum Thema Biomonitoring. Hier zeigt sich sehr gut, dass das Rad nicht immer neu erfunden oder umbenannt werden muss.

Aufgrund unserer beschränkten finanziellen und personellen Möglichkeiten haben wir uns für einen Kompromiss entschieden: Untersucht werden Pflanzen und Insekten.

  • Bäume im gesamten Gebiet
  • Kleinere Pflanzen in zufällig gewählten Bereichen von einem Quadratmeter Größe
  • Insekten momentan im gesamten Gebiet

Außerdem

  • Standardbodenwerte
  • Bodenschichten
  • Werte der Gewässer

Geplant, falls mehr Mittel zur Verfügung stehen:

  • Diversität (Vielfalt) der Vögel
  • Insekten auf jeweils einem Baum
  • Bodenleben von zufällig gewählten Bodenausschnitten
  • Diversität in den Gewässern
  • Mikrobielle Diversität auf Bäumen, Erntefrüchten, in Gewässern und Bodenschichten

Wenn wir über die Strasse gehen machen wir auch nicht Augen zu. Nutzen wir ein Stück Land, sollten wir auch schauen, wie es sich auf den Zustand der Lebensgemeinschaft dort Auswirkt. Schließlich sind wir genauso wie alle anderen Lebewesen auch nur Gäste auf diesem Land.

Das Gesamtpaket

Umweltfreundliches wirtschaften braucht Auge für das Detail
Keine Chemie und keine Störenfriede

Keine synthetischen Stoffe und keine gebietsfremden, invasiven Arten werden ins Feld eingebracht.

Kleinbauern

Zahlreiche kleinere Landparzellen mit leicht variierender Nutzung sorgen für mehr Vielfalt.

Schöpfungskette

Es selber besser machen ist der Anfang, bei der Nachhaltigkeit der Zulieferer und auch Dienstleister wird es erst richtig interessant.

Kulturlandschaft

Es sind die traditionellen Kulturlandschaften, an die sich das Naturleben über lange Zeiträume schon gewöhnen konnte, die im umsichtigen Landbau besonders wertvoll geworden sind.

Wildnisanteil

Keine Intensivnutzung, sondern Raum für Natur auf dem Anbaugebiet selbst. Direkt auf von uns bebtreuten Landflächen bauen wir gerade einen Anteil von 20% Wildnisgebiet auf. Genutzt wird bereits nicht mehr, doch bis sich die Natur dort richtig regenerieren kann müssen noch einige Jahre vergehen. Bei mehreren angrenzenden Feldern legen wir die Wildnisanteile so, dass Korridore und kleine, isolierte Rückzugsgebiete entstehen.

Keine Großmaschinen

Wegen der Bodenverdichtung kein Einsatz von Großmaschinen auf dem Anbaugebiet.

Klimaneutral

Ist der CO2-Wert wichtig? Ja! Er kann aber auch ablenken

Jedes Unternehmen, dass etwas auf sich hält ist mittlerweile CO2-Neutral. Und tatsächlich, nach der Rückgewinnung von natürlichem Lebensraum ist die Reduzierung des Klimawandels wichtigste Maßnahme zur Verhinderung des gerade stattfindenden Massenaussterbens. Bei Klimaberechnungen geht es vor allem um Zahlen, Mengenmäßige Berechnungen pro Zeiteinheit und Kopf oder Firma.

Wir sehen hier die Gefahr, dass die Berechnungen trotz aller Komplexität über die Qualität der Umweltbedrohung hinwegtäuschen.

Zahlen sind gut, die richtige Einstellung ist besser

Die Grundlage für wirksamen Umweltschutz wird eigentlich nicht durch Grammzahlen bestimmt, sondern von der Grundeinstellung gegenüber Leben. Hat der innere Kompass weiterhin den Menschen im Zentrum wird es kein Verständnis für die Situation an sich geben. Durch das zivilisierte Leben, isoliert von den Gewalten der Natur und den Entwicklungen der natürlichen Lebensgemeinschaft fehlen Bezugspunkte, die ein folgerichtiges Handeln erst ermöglichen würden. Wir haben uns ‘Sicherheit’ in Form von Häusern und Technik erschaffen und Schieben dadurch einen Berg von Konsequenzen vor uns her, der mit jedem Jahrzehnt wächst.

Der CO2 Wert alleine ist nicht Genug.

CO2 ist eine wichtige Verbindung im Kohlenstoffkreislauf. Kohlenstoff, dass normalerweise in der Erde für zigtausende von Jahren weggesperrt wäre, wird in Form von Erdöl oder Ergas abbgebaut und gelangt dadurch viel schneller in die “schnellen” Kohlenstoffkreisläufe: Vornehmlich Atmosphäre und Erdoberfläche samt Lebewesen. Was Firmen machen ist, dass sie entweder weniger Ressourcen verbrauchen, was löblich ist, oder in Projekte wie Aufforstungen investieren. Denn wachsende Bäume binden auch wieder Kohlenstoff. Das Problem dabei ist, dass die Bäume geologisch gesehen nicht lange halten: Ein Buschfeuer oder Firmenschließung mit Rodung im nächsten Jahrzehnt reicht und das gespeicherte CO2 wird wieder freigesetzt.

Der ökologische Fußabdruck
Foto meines Schwagers Pi Pan mit seinem Sohn am Meer

Der ökologische Fußabdruck ist eine reine Berechnung des Ressourcenverbrauchs und konzentriert sich dabei nicht hauptsächlich auf die Qualität der Nutzung. Habe ich zum Beispiel einen Hektar landwirtschaftliche Fläche, kann ich darauf eine Monokultur mit massiver Ausbringung von Kunstdünger betreiben oder einen chemiefreien Ökolandbau mit Waldflecken und vereinzelten Nutzpflanzen. Im ökologischen Fußabdruck sind quasi beide Flächen vom Menschen beansprucht und für die Natur verloren. Doch genau hier wollen wir ansetzen: Dass wir in bereits von Menschen voll beanspruchten Gebieten Lebensraum an die Natur zurückgeben: Im Garten, auf dem Feld, in der Stadt. Die Erde ist keine Küchenrolle, von der jedes Stück Land wie ein Blatt abgerissen wird, sondern veränderbar und kann sich oft erstaunlich regenerieren, wenn wir uns umschauen und uns die Mühe machen und die Dinge selbst in die Hand nehmen. Diese Art zu Denken ist umständlich aber auch lohnenswert und vor allem erfüllend.

Dennoch schauen wir natürlich auf unseren “Fußabdruck” und verwenden um ein paar Beispiele zu nennen Ökostrom, machen kleine Lieferungen in der Stadt mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln, nutzen für Transporte ein Fahrzeug dass von der Tauschkreisgemeinschaft gemeinsam genutz werden kann (Vielen Dank hier an Josef!), haben den Betrieb im Passivhaus, begrenzen unseren Daten- und Stromverbrauch und verwenden in allen Bereichen, wo Papier auch nur in irgendeiner Form eingesetzt wird Altpapier. Doch diese Maßnahmen hatten ihren Ursprung zumindest noch nicht in einer CO2-Berechnung.